Den Beginn dieser Kolumne machten einige einfache Achtsamkeitsübungen, bevor in die Mediation übergegangen wurde. Die hier gelistete Auswahl an Übungen kann durch viele Atem- und Visualisierungsübungen oder Methoden wie Phantasiereisen, Mantrenrezitation, wing-wave oder andere Musik- und Klangmeditationen, bodyscan, Bewegungs- und Musikmeditation etc. etc. ergänzt werden.

Nach dem Motto „weniger ist mehr“ wurde hier eine spezielle Auswahl getroffen, um die Übungsmotivation nicht zu ermüden. Der Trainingsaufbau führt bei regelmäßiger Anwendung dazu, dass der/die Übende seine Zentrierungsfähigkeit perfektioniert.

Und dann kann man zur dritten Stufe der Meditation schreiten: Der Veränderung von Neuronenverbindungen im Gehirn. Meditationsforscher nennen es auch Persönlichkeitsveränderung. Jüngsten Forschung zufolge werden alte Bahnungen, Gewohnheiten und Automatismen gelöscht und durch etwas Neues, Gewünschtes ersetzt.

gehirn meditation

Bild frei nach karierebibel.de/meditation

Diese Grafik zeigt in einfachen Worten die Wirkung von Meditation, die in hoch komplexen neurophysiologischen Prozessen begründet und mittlerweile wissenschaftlich erwiesen ist. Bei näherem Interesse sei hier z.B. die Forschungsgruppe um Dr. Joe Dispenza benannt. Die Vorstellung der Studien weist die nachhaltige und tiefgreifende Veränderung im Gehirn, in der Psyche und dem Lebensalltag der Meditierenden nach. Die größte deutsche Studie zur Wirkung von Meditation wurde am Max-Planck-Institut in Leipzig 2013 durchgeführt. Sie ist unter dem Stichwort „resource project“ zu finden.

Wenn wir die Abfolge der Übungen dieser Kolumne auf die obenstehende Grafik übertragen, ergibt sich folgende Analogie:  Unsere Präsenzübungen können unter die Titel „den Augenblick genießen“ und „Ruhe finden“ subsummiert werden. Dass sich dadurch Ängste reduzieren, mentale Kraft getankt und fokussiertes Denken gestärkt wird, wurde in den vorausgegangenen Kapiteln bereits erklärt. Dass dadurch wiederum Kreativität freigesetzt wird, wird hier mit den Begriffen „Ideen entwickeln“ und „bessere Lösungen finden“ berücksichtigt.

Doch was ist mit den Versprechen durch Meditation „Gedankenspiralen aufbrechen“ und „sich innerlich befreien“ zu können, gemeint?

Nun, das ist Stufe 3 unserer Kolumne!!!

Dispenza führt seine Probanden einige Zeit lang intensiv in die sogenannte absichtslose Mediation ein. Er trainiert die Fähigkeit, wertfrei präsent zu bleiben und damit in einen hoch konzentrierten Zustand zu gelangen. Er arbeitet daran, eine Hirn- und Herzkohärenz herzustellen. Das ist notwendig, damit der Geist mit den Emotionen in einen Gleichklang kommt und der Persönlichkeit erlaubt, zu wachsen. Physischer, emotionaler und/oder chemischer Stress zerstören diese Kohärenz und verhindern Flexibilität, Kreativität und psychisches, physisches und geistiges Wachstum. Der Zustand von Inkohärenz macht feindselig und ängstlich, Stresshormone greifen die Zellen und Organe an und die Kapazität des Denkens ist eingeengt.

Die Meditation soll weiten! Sie soll über die 5 Sinne unserer körperlichen Existenz hinaus in einen schöpferischen Zustand führen. Anders ausgedrückt: Unser Gehirn wird aus dem Betawellenzustand, der nieder-, mittel- oder hochfrequent sein kann, in den Alphawellenmodus geführt. Das parasympathische Nervensystem, das zuständig ist für Regeneration und Reparatur der Zellen, wird angeregt. Der Vagusnerv, auch zehnter Hirnnerv genannt, beruhigt die Gehirnareale. In diesem Alphawellenbereich findet der Mensch Raum für Kreativität. Ist der Körper an diesen immer mehr gewöhnt und nimmt Signale von Sicherheit und Einheit wahr, kann die Meditation weiter in den Thetawellenbereich übergehen. Der Körper ist so entspannt, dass er quasi schläft, während der Geist wach ist. In diesem Bereich ist es nun möglich, eingeübte Programme der Denk-, Fühl, und Verhaltenstriade zu verändern!!!  Wie bei der Hypnose ist unser Gehirn jetzt empfänglich für neue Informationen. Da wir die neuen Informationen über das Nervensystem aufnehmen, gehen wir, ähnlich wie in ekstatischen Perioden, über den analytischen Verstand hinaus. Wir bilden neue Schaltkreise im Hirn. Dispenza behauptet, dass in diesem Feld Weisheit entsteht!

Was bedeutet das nun für unsere Übungsabfolge?

Wenn sie Sie sich intensiv von Übung 1 bis Übung 7 aufeinander aufbauend in Achtsamkeit und Meditation geschult haben, könnten Sie sich nun auf Bereiche Ihres Lebens konzentrieren, die sie gern verändern möchten.

Ich wähle hier als Beispiel das Thema SELBSTLIEBE. (Es können aber auch andere für Sie wichtige Themen an dieser Stelle bearbeitet werden.)

Vielen Menschen fällt es leichter, es Selbstakzeptanz oder Selbstwertgefühl zu nennen. Ganz gleich, mit welchem Begriff Sie arbeiten möchten, der Mangel an diesem ist ein sehr weit verbreitetes und sehr viel Leid produzierendes Phänomen. Gehen wir also an die Arbeit, es zu ändern.

Mit dem, was wir in der Vergangenheit über uns und die Welt gelernt haben, kreieren wir unsere Zukunftsvisionen. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Mensch, der in seiner Vergangenheit bedroht wurde und dessen Körper-Seele-Geist-System darauf programmiert ist, Gefahren zu erkennen und immer im Alarmzustand zu sein, sich auf eine gefährliche Zukunft vorbereitet. Sein gesamter Allgemeinzustand ist komplett anders, als der von dem Menschen, der in Geborgenheit und Frieden aufgewachsen ist.

So bestimmt auch unser Selbstbild, dass sich unter dem Einfluss der Rückmeldungen anderer entwickelt, unser ganzes Sein in dieser Welt. Viele Menschen haben aus den Rückmeldungen (Worten, Blicken, Taten, Gesten) von Eltern, Verwandten, Erzieher_innen, Lehrer_innen, Trainer_innen etc. Rückschlüsse auf ihren Wert gezogen. Aber nicht nur aus den direkten oder indirekten Spiegelungen schließen Kinder auf ihren Wert als Mensch, sondern auch aus dem Wohlfühlgehalt ihrer Umgebung. Kinder erleben die Welt am Beginn ihres Lebens egozentriert und übernehmen unbewusst die Verantwortung für die Stimmung, d.h. auch die Schuld dafür, wenn es den Eltern nicht gut geht oder Bezugspersonen nicht zufrieden und stabil sind.

So ergeben sich reichlich Möglichkeiten ein angeknackstes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Ein negatives Selbstbild beeinflusst, wie wir in der Gegenwart in der Welt stehen und uns die Zukunft ausmalen. Glaubenssätze wie z.B. „Ich bin nicht liebenswert.“ „Ich schaff das sowieso nicht!“ „Das wird bestimmt wieder mal schiefgehen.“ „Ich werde versagen!“  „Ich bin hässlich.“ „Ich bin eine Last für andere!“ „Ich habe kein Recht auf eigene Wünsche und Bedürfnisse.“  „Man gönnt mir gar nichts.“ „Ich muss alles allein machen.“ usw. usw. gepaart mit dem dazugehörenden emotionalen Gehalt wie Traurigkeit, Schmerz, Angst, Zweifel, Einsamkeit, Frustration, Resignation usw. führen zu einem bestimmten Verhalten wie Kampf- und Fluchtmodus, Rückzug, der aktuellen Situation nicht angemessene Gefühlsausbrüche, Beziehungs- oder Aktivitätsabbrüche etc.

Was ist das Antidot???

  1. Teilen Sie ein Blatt Papier in drei nebeneinander liegende Spalten.
  2. Machen Sie sich bewusst, welche Glaubenssätze bezüglich Ihres persönlichen Wertes, woraus auch immer er sich generiert, sie mit sich herumtragen und schreiben Sie sie in die linke Spalte.
  3. Reflektieren Sie, mit welchen emotionalen Gehalt diese Glaubenssätze gefüllt werden. Z.B. Scham, Trauer, Verzweiflung, Schuld….??? Dies notieren Sie in der mittleren Spalte.
  4. Aus diesen Gedanken und Gefühlen entwickelten Sie ein bestimmtes Verhalten. Wie z.B. der Schwur, sich nie wieder der Lächerlichkeit preis zu geben und deshalb nicht mehr zu zeigen, zu präsentieren….. oder sich niemals wieder auf eine Beziehung einzulassen, sich nur im besten Licht zu zeigen, immer für alle hilfreich sein zu müssen …..oder viele andere Möglichkeiten mehr. Diese Verhaltensweisen schreiben Sie in die letzte Spalte.

Nun haben Sie die Verbindung zwischen Denken, Fühlen und Handeln an einem Beispiel reflektiert.

Verwandeln Sie nun diese Trilogie. Schreiben Sie einen fiktiven, positiven Glaubenssatz in die linke Spalte. Stellen sie sich vor, was ein Kind über sich denkt, wenn es sich geliebt und gesehen fühlt. Z.B. ich bin liebenswert oder ich bin einzigartig, …..und versuchen Sie diesen Glaubenssatz mit dem entsprechenden Gefühl von Freude, Sicherheit, Zugehörigkeit etc. zu füllen. Manchmal hilft es, sich an eine andere Situation im eigenen Leben zu erinnern, in der man sich tatsächlich so gefühlt hat und dieses innere Erleben auf den fiktiven Satz zu übertragen. Was glauben Sie, welches Verhalten ein solches Kind an den Tag legt? Offenheit, Freude am Kontakt, Spontanität, Lust, Gelerntes preis zu geben, Risikofreudigkeit…..????

Wandeln Sie also die drei Spalten um, als würden Sie einen Teil Ihrer Geschichte umschreiben und damit auch auf Dauer die neuronale Verbindung im Gehirn. „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“ sagen die Kinesiologen.

Nehmen Sie diese neue und positive Geschichte mit in die Meditation, nachdem Sie einige Entspannungs- und Atemübungen gemacht haben, Ihre Herz- und Hirnkohärenz aufgebaut und das Gehirn im Alphamodus ist. Lassen Sie jetzt vor Ihrem inneren Auge dieses sich geliebt fühlende Kind auftauchen und den neuen Film ablaufen. Versuchen sie auch, sich dort hinein zu fühlen. Das limbische System nimmt dies an, da es nicht zwischen Wahrheit und Fiktion unterscheidet, wie es im Kapitel über die Macht der Bilder in dieser Kolumne bereits beschrieben wurde. In diesem wurde auch davor gewarnt, sich ständig mit Horrornachrichten und beängstigenden Bildern zu füttern, denn das hat ebenfalls Auswirkungen auf unser Nervensystem und unser Wohlbefinden.

Mit dieser hier beschriebenen Meditationstechnik bewirken Sie eine positive Ausrichtung des gleichen Wirkmechanismus. Er entspannt das System und erhöht die emotionale und mentale Schwingung. 

ER FÜHRT RAUS AUS DER ANGST!

     
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