Problembeschreibung

Der Ex-Studierende möge seinen Masterabschluss mit 24 Jahren erlangt und nach der letzten Prüfung seinen Antrag auf Exmatrikulation mit Wirkung zum Monatsende gestellt haben. Die BAföG-Leistungen werden in der Phase der Begutachtung der Masterarbeit noch bis zu maximal zwei weitere Monate gezahlt und mit dem Beginn des Folgemonats eingestellt (systematische Darstellung für AbsolventInnen). Weil er während des Studiums in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben wollte, hat er seinen Nebenjob immer unter 450 € gehalten. Mit der Exmatrikulation entfällt die Familienversicherung und eine freiwillige Versicherung würde über 178 € kosten. Weil von den Eltern keine Zahlungen zu erwarten sind, würfe der beibehaltene Minijob nicht genug zum Leben ab. Folglich ist ein Antrag auf Arbeitslosengeld II eine sinnvolle Alternative (Einiges zur Antragstellung).

Das kombinierte Vermögen auf Spar- und Girokonto sei 4350 € und ist damit knapp unschädlich für den Antrag. Durch den Leistungsbezug wird eine besondere Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgelöst, deren Kosten direkt zwischen Jobcenter und Krankenkasse abgewickelt werden (Hintergrund), womit das bei der Bedarfsberechnung außen vor bleibt.

Arbeitslosengeld II - Berechnung

Arbeitslosengeld II: Bedarf
416,00 Regelbedarf für Alleinstehende (gültig für 2018)
285,00 Miete (ohne Strom)
701,00 Gesamtbedarf
Einkommensermittlung
450,00 Erwerbseinkommen Minijob
-100,00 Freibetrag nach § 10b Abs. 2 SGB II
-70,00 Freibetrag nach § 10b Abs. 3 SGB II (20% von 450-100 €)
280,00 anzurechnendes Einkommen
   
421,00 Auszahlung (701 € - 280 €)

Insgesamt stünden somit 450 € aus dem Minijob und ergänzendes Arbeitslosengeld II in Höhe von 414 € zur Verfügung, zusammen 864 €. Klar ist, dass daneben Bewerbungsbemühungen bei der Vermittlungsabteilung nachzuweisen sind. Einnahmen aus dem Minijob sind monatlich vom Arbeitgeber für das Jobcenter nachzuweisen. Man hat werktäglich per Post erreichbar zu sein, unangemeldete Abwesendheit kann weitreichende Leistungskürzungen zur Folge haben. Absolvent 6 findet dieses Ausmaß an Bevormundung "unpraktisch" und möchte lieber Wohngeld beantragen. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Wohngeld - eine Alternative?

Bei Verzicht auf Arbeitslosengeld II entfällt wieder die darüber abgewickelte Krankenversicherung und eine eigenstänge Versicherung ist gefragt. Die mögliche freiwillige Versicherung kostet über 178 €. Besser wäre es dann, mehr als 450 € zu verdienen und über den Job versichert zu werden. Unser Beispiel-Absolvent schafft es, sich auf 550 € Brutto zu steigern. Netto wäre das laut Gleitzonenrechner: 470,59 € (Stand: 2018).

Berechnung

In der Wohngeldermittlung wird zunächst nur die Bruttokaltmiete - hier 250 € - herangezogen. Es gibt eine Obergrenze, die aber in Oldenburg bei Single-Haushalten 434 € beträgt, selbst wenn man in einer WG wohnt. Somit können die 250 € voll in die Rechnung eingehen und sind die Grundlage für Wohngeldermittlung.

Im Wohngeldgesetz wird das Brutto zum Ausgangspunkt der Berechnung gemacht. Es gehen 83,33 € als Werbungskostenpauschale ab (1000/12).  Vom verbleibenden Wert sind 20% pauschal für Kranken- und Rentenversicherung abzusetzen, so dass 373,33 € als Input für die Wohngeldformel verbleiben.

Ergebnis: 181 € Wohngeld

Insgesamt stehen folglich 470,59€ Nettogehalt + 181 € Wohngeld = 651,59 € zur Verfügung.

Glaubwürdigkeit des Wohngeldantrags bei der Wohngeldstelle

Wie hier beschrieben lehnen die Wohngeldstellen Anträge ab, wenn zu wenig Einkommen vorliegt, weil unterschlagenes Einkommen unterstellt wird. Im ersten Abschnitt hatten wir 701 € als Arbeitslosengeld II-Niveau ermittelt. Es fehlen also ca. 49 €, die aber aus dem Vermögen ergänzt werden könnten.

Fazit

Absolvent 6 tauscht seine "Freiheit" rein ökonomisch betrachtet teuer ein. Stehen ihm in der Arbeitslosengeld II-Variante insgsamt 864 € zur Verfügung, so sind es in der Wohngeld-Variante nur 651,59 € und er muss dafür unbedingt aus dem Minijobstatus heraus, damit die Krankenversicherung nicht zu teuer wird. Zusätzlich verliert er mit dem AlgII-Status auch die Rundfunkgebührenbefreiung.

     
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