Kindergeldbedingungen im Überblick

Nach Vollendung des 18. Lebensjahres wird Kindergeld nur noch unter spezifischen Bedingungen gezahlt. Für Studieninteressierte, Studierende oder Absolvierende wird im Folgenden vor allem der Ausbildungsstatus und Übergangszeiten näher diskutiert (vollständige Regelungen in § 32 EStG, insb. Abs. 4). Bedingungen demnach:

  • Das Kind befindet sich in Ausbildung oder sucht einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz.
  • Und das Kind ist noch nicht 25 Jahre alt (Wehr-/Zivildienst wirkt verlängernd). Bei Behinderung kann die Altersgrenze entfallen.
  • Wenn eine zweite Ausbildung betrieben wird, darf daneben keine zu zeitintensive Erwerbstätigkeit treten, dazu mehr...

Kindergeld und Ausbildungsstatus: Vor dem Studium, Teilzeitstudium

Kindergeld und Ausbildungsstatus

Bei Studierenden beginnt der Ausbildungsstatus mit dem ersten Tag des ersten Semesters und endet in der Regel mit dem Erhalt des Abschlusszeugnisses. Da die Übergänge manchmal nicht ganz so einfach zu bestimmen sind, wird in den präzisierenden Ausführungen unten immer wieder auf Belegstellen in der DienstAnordnung zum Kindergeld verwiesen:

Material: pdf Dienstanordnung 2017 zum Kindergeld (1.86 MB)

Vor dem Studium

Die vorhergehende Ausbildungsplatz- oder Studienplatzsuche kann kindergeldrechtlich berücksichtigt werden. Vor dem Studium können auch Auslandsaufenthalte zum Spracherwerb, Praktika, Traineeprogramme oder Volontariate (sofern für das Studium wesentlich) die Statusbedingung erfüllen, wenn ein hinreichend strukturierter Ausbildungsplan vorliegt (dazu unten mehr!). Auch Orientierungspraktika von bis zu drei Monaten Dauer sind möglich.

Teilzeitstudium

Aus der Dienstanordnung zum Kindergeld lassen sich keine direkten Erkenntnisse gewinnen, die sich auf diesen Status beziehen. Hinweise zum zeitlichen Umfang und dem Organisationsgrad der Ausbildung finden sich allgemein in Abschnitt A 15:

Berufsbegleitendes Studium oder studiumsbegleitender Job?

"(4) Zu berücksichtigen ist auch die Weiterbildung im erlernten und ausgeübten Beruf, wenn diese dazu dient, zu einer höheren beruflichen Qualifikation zu gelangen, sowie die Ausbildung für einen anderen Beruf (beachte aber A 20.3)." (zitiert aus A 15.1 Abs. 4)

Wichtig ist der Hinweis auf 20.3, weil dort der Aufwand für Arbeit neben dem Studium begrenzt wird.

Intensität des Studiums ausreichend?

"(1) Die Ausbildung muss ernsthaft betrieben werden, damit sie berücksichtigungsfähig ist. Sie muss Zeit und Arbeitskraft des Kindes dermaßen in Anspruch nehmen, dass ein greifbarer Bezug zu dem angestrebten Berufsziel hergestellt wird und Bedenken gegen die Ernsthaftigkeit ausgeschlossen werden können.

(2) (...)

(3) Eine tatsächliche Unterrichts- bzw. Ausbildungszeit von zehn Wochenstunden kann regelmäßig als ausreichende Ausbildung anerkannt werden. (...)" (zitiert aus A 15.3 Abs. 1 und 3)

Dies sind die reinen Veranstaltungszeiten, hinzu kommt:

"Üblich ist ein Zeitaufwand für die häusliche Vor- und Nacharbeit, welcher der Dauer der Unterrichts- bzw. Ausbildungszeit entspricht, sowie ein Zeitaufwand für den Weg von und zur Ausbildungsstätte bis zu einer Stunde für die einfache Wegstrecke." (zitiert aus A 15.3 Abs. 3)

Ein Teilzeitstudium scheint mit den zitierten Äußerungen in Einklang zu stehen, wenn bei 15 Kreditpunkten von einer Unterrichtsbelastung von 10 Semsterwochenstunden ausgegangen werden kann. Das Prüfungsamt der Universität Oldenburg hat bestätigt, dass 10 SWS in der Regel erreicht werden. Ein Teilzeitstudium von unter 50% wäre aber in der Regel nicht kompatibel zum Kindergeldbezug.

Startseite "Teilzeitstudium"

Beurlaubung, Wartezeiten, Ende des Studiums

Unterbrechung des Studiums, Beurlaubung

Eine Unterbrechung durch Ausschluss vom Unterricht oder durch Beurlaubung vom Studium bewirkt für diesen Zeitraum eine Einstellung der Kindergeldzahlungen. In der Dienstanordnung zum Kindergeld werden aber eine Reihe von Ausnahmen formuliert, die unten dargestellt werden.

Material: pdf Dienstanordnung 2016 zum Kindergeld (1.86 MB)

Ausnahmen:

  • Beurlaubung in der Mutterschutzfrist:
    " (...) Eine Studierende ist bei Beurlaubung wegen Schwangerschaft für die Dauer des Semesters zu berücksichtigen, in dem die Entbindung zu erwarten ist, längstens bis zum Ablauf des Monats, in dem die Schutzfrist des § 6 Abs. 1 MuSchG endet. Wird das Studium jedoch in dem darauf folgenden Semester fortgesetzt, ist die Studierende auch darüber hinaus bis zum Semesterbeginn zu berücksichtigen."
    (zitiert aus A 15.11 Abs. 3)

  • Beurlaubung wegen Krankheit:
    "(2) Ein Studierender ist während einer Unterbrechung seines Studiums zu berücksichtigen, wenn er wegen Erkrankung beurlaubt oder von der Belegpflicht befreit ist und dies der Familienkasse unter Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung nachgewiesen wird; (...)
    Die Berücksichtigung erfolgt für das betreffende Studiensemester einschließlich der Semesterferien, in dem der Studierende durch Krankheit gehindert ist, seinem Studium nachzugehen. Dies gilt auch, wenn die Erkrankung vor Ablauf des Semesters endet, das Studium aber erst im darauf folgenden Semester fortgesetzt wird."

    (zitiert aus A 15.11 Abs. 2)
    "2Die Erkrankung und das voraussichtliche Ende der Erkrankung sind durch eine Bescheinigung des behandelnden Arztes nachzuweisen; die Bescheinigung ist jeweils nach Ablauf von sechs Monaten zu erneuern. 3Ist nach den ärztlichen Feststellungen das voraussichtliche Ende der Erkrankung nicht absehbar, ist zu prüfen, ob das Kind wegen einer Behinderung nach § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG berücksichtigt werden kann."
    (zitiert aus A 15.11 Abs. 1 Satz 2-3)

  • Beurlaubung wegen Durchführung eines Praktikums im Zusammenhang mit der Ausbildung (A 15.8, dort wegen freiwilliger, also nicht in der Prüfungsordnung vorgeschriebener Praktika die Restriktionen bzgl. Dauer und Planhaftigkeit beachten!)

  • Aufenthalt im Ausland zum Spracherwerb, sofern Immatrikulation im Ausland vorliegt oder aber anderweitige, hinreichend intensive Schulung vorliegt (DA 15.9)

  • Während einer Beurlaubung werden Prüfungen nachweislich vorbereitet:
    "(3) Eine Beurlaubung vom Studium oder eine Befreiung von der Teilnahme an Vorlesungen (Befreiung von der Belegpflicht) ist auch bei fortdauernder Immatrikulation grundsätzlich als tatsächliche Unterbrechung des Hochschulbesuchs anzusehen (...), es sei denn, die Beurlaubung erfolgt zum Zwecke der Durchführung einer zusätzlichen Maßnahme i. S. d. § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG, zum Zwecke der Prüfungsvorbereitung (...)"
    (zitiert aus A 15.7 Abs. 3)

  • Die Abschlussprüfungen werden durchgeführt:
    "Für die Berücksichtigung von Prüfungszeiten ist es nicht erforderlich, dass das Kind weiterhin immatrikuliert ist."
    (zitiert aus A 15.10 Abs. 10 Satz 1; siehe aber Absätze 9 und 10 insgesamt!)

Ende des Studiums

Das Ende des Ausbildungsstatus kann kindergeldrechtlich zwar mit dem Ende des letzten Semesters identisch sein, wird aber immer dann früher angesetzt, wenn das Ergebnis des erfolgreichen Bestehens vor Ende des Semesters offiziell schriftlich bekannt gegeben wurde. (A 15.10 Abs. 9). Noch früher endet der Ausbildungsstatus, wenn nach der letzten Prüfung aber noch vor der Bekanntgabe des Bestehens eine Beschäftigung im angestrebten Beruf aufgenommen wird.
Abweichendes Urteil des Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 24. 2. 2010 - III R 80/ 08): Im Falle eines Studierenden, der seine letzte Prüfung bereits absolviert hatte, der aber eine dringend notwendige Zusatzqualifikation benötigte und dafür im selben Studiengang fortgesetzt immatrikuliert blieb, hatte der BFH sich für eine Fortsetzung des Kindergeldbezugs entschieden. Allerdings wurden höhere Anforderungen an die Nachweispflicht gestellt, was den Umfang und die Ernsthaftigkeit der Ausbildungsbemühungen betrifft (siehe dort Randziffer 12!).

Es ist auch möglich, dass der kindergeldrechtliche Ausbildungsstatus über das Ende des letzten Semesters hinausreicht oder während einer Beurlaubung fortexistiert (siehe Abschnitt Beurlaubung!), wenn nachgewiesen wird, dass in dieser Zeit noch Prüfungen abgelegt werden (A 15.10 Abs. 10).

Darüber hinaus kann natürlich ein gleichzeitig betriebenes Zweitstudium oder vorgeschriebenes Praktikum jeden Statusverlust im Erststudium kompensieren.

Zwischen zwei Ausbildungsabschnitten

Sofern die Ausbildung mehrgliedrig organisiert ist und zwischen zwei Ausbildungsabschnitten nur bis zu vier Monaten "Übergangszeit" liegen, so kann auch in dieser Phase Kindergeld gezahlt werden (A 16). Dauert die Zeit länger als vier Monate, so kann der Status "Kind ohne Ausbildungsplatz" bei Nachweis entsprechender Suchbemühungen Kindergeldzahlungen auslösen (A 17).

Da das Referendariat oder Anerkennungspraktika als Ausbildung zählen (A 15.2), ist eine Wartezeit zwischen Studium und Beginn des Referendariat als "Übergangszeit" oder "Ausbildungsplatzsuchzeit" wie oben beschrieben verstehbar, also kindergeldrechtlich ein Zahlungszeitraum.

Hinweise zum Antrag: Downloadquelle, Online-Antrag

Formulare und Dienstanordnung

Beim Bundeszentralamt für Steuern können online Formblätter ausgefüllt bzw. als Acrobat-Reader-Datei heruntergeladen werden (hierfür Druck-Icon benutzen). Direkt auf die Formularseite!

     
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