Jobberin 7 hat einen Minijob mit einem tatsächlichen Verdienst von 450€ monatlich durchgeführt. Sie ist unter 25 Jahre alt und bei ihren Eltern in der gesetzlichen Familienversicherung, die kostenfrei ist. Die Eltern geben das Kindergeld (219 €) an sie weiter. Außerdem erhält sie BAföG für diese Situation (also ohne Krankenkassenpauschale) unter Abzug von 200 € angerechnetem Elterneinkommen: 552 € (Stand. WiSe 2020/21). Alles in allem hat sie es mit 1.221 € monatlich recht gut getroffen. Nun möchte ihr Arbeitgeber sie aber ab dem 1.10. des Jahres zu 600 € brutto (unterhalb von 20 Wochenstunden) dauerhaft anstellen, was aber im Rahmen der Minijob-Regelung nicht mehr abzurechnen wäre. Was passiert folglich, wenn Jobberin 7 dieses Angebot annimmt?

Folgen einer Ummeldung zum Werkstudentenjob:

Aktionen des Arbeitgebers

Mit Blick auf die Sozialversicherung:
1. Abmeldung des Minijobs bei der Minijobzentrale zum 30.9. des Jahres.
2. Anmeldung eines Werkstudentenjobs bei der Krankenkasse unter Abzug von 38,90 € Rentenversicherung vom Bruttolohn (Übergangszonenrechner, Stand: 4.11.2020).

 

Mit Blick aufs Finanzamt:
3. Anmeldung des Jobs beim Finanzamt mit Steuerklasse I, Einkommenssteuer wird bei 600 € in Steuerklasse I noch nicht fällig.

Mit Blick auf die Arbeitnehmerin:
4. Auszahlung von 561,10 € netto ab Oktober

Aktionen der Studentin

Mit Blick auf die Krankenkasse:
Pflichtgemäße Mitteilung der Einkommensveränderung bei der Abteilung Familienversicherung der Krankenkasse ihrer Eltern. Die Kasse beendet daraufhin die Familienversicherung und teilt der Studentin mit, sie habe sich für ca. 111 € monatlich selber zu versichern.

Mit Blick aufs BAföG-Amt:
Pflichtgemäße Mitteilung der Einkommensveränderung beim BAföG-Amt und Abgabe eines Belegs über die neu entstandenen Krankenkassenkosten:
a) Weil das BAföG-Amt davon ausgeht, dass 600 € monatlich im ganzen folgenden Bewillgungszeitraum erzielt werden, muss es den Auszahlungsbetrag um ca. 150 € reduzieren.
b) Wegen der eigenständigen Krankenversicherung steigt aber gleichzeitig der BAföG-Bedarf um 109 €.
c) Auszahlung ab Oktober dann: ca. 511 €.

Fazit: Mehr Arbeit, weniger Geld!

Jobberin 7 hat nun mehr zu arbeiten. Von den 150 € mehr an Bruttoverdienst bleiben ihr netto aber nur 111,10 €, weil die Rentenversicherung vom Lohn abgezogen wird. Sie muss ihre 111 € Krankenkassenbeitrag selber zahlen. Das BAföG sinkt um 41 €:

Vorher:
450 € Job
+ 552 € BAföG
+ 219 € Kindergeld
= 1.221€.

Nachher:
561,10 € Job
+ 511 € BAföG
+ 219 € Kindergeld
-  111 € KV
= 1.180,10 €

Sie hat folglich weniger Geld zur Verfügung als vorher.

Würde sie 550€ brutto verdienen, wären 100€ weniger an BAföG zu zahlen. Allerdings gibt es eine Besonderheit bei der Familienversicherung, die es erlaubt 553,83 € brutto zu verdienen, wenn kein Minijob mehr vorliegt (470 € + 83,33 € Werbungskostenpauschale, Stand 1.1.2021). Die eigenständige Pflichtversicherung wird folglich nicht ausgelöst und damit auch nicht die entsprechende Anpassung des BAföG-Bedarfs. Das Ergebnis dann:

516,97 € Job
+ 452 € BAföG
+ 219 € Kindergeld
= 1.187,97 €.

     
Go To Top