Überblick

Studierende sind nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. In der Seitennavigation finden sich unter "Familienversicherungen" erzwungene oder auch freiwillige Alternativen zur studentischen Pflichtversicherung. Gemeint sind die gesetzliche Familienversicherung, die Versicherung über Waisenrentenstatus und die beamtenrechtliche Beihilfe.

Die Pflichtversicherung unterliegt einer zeitlichen Begrenzung (dazu unten mehr!). Nach Ablauf muss mensch sich "freiwillig gesetzlich" oder privat versichern, was teurer ist (s. dazu den entsprechenden Beitrag).

Kosten

Kosten (Stand: 1.1.2017)

Krankenversicherung Pflegeversicherung Summe
71,52 € 16,55 € 88,07 €
71,52 € 18,17 € (kinderlos über 23 Jahren) 89,69 €
 (Zusatzbeitrag von 0,8% beispielhaft unterstellt)

Keine hauptberufliche selbständige Tätigkeit!

Wer neben dem Studium einer selbständigen Tätigkeit nachgeht (Beschäftigung auf Honorarbasis), sollte darauf achten, dass dies nur nebenberuflich geschieht. Bei einer hauptberuflichen Tätigkeit ist die günstige studentische Pflichtversicherung ausgeschlossen.
Weiterführende Information

Verlängerung der Studentischen Krankenversicherung

Die studentische Pflichtversicherung endet mit Abschluss des 14. Fachsemesters. Urlaubssemester werden nicht mitgerechnet. Außerdem zählt bei einem zweiten Studium, sofern das erste Studium beendet wurde, die Fachsemesterzahl des Zweitstudiums. In diesem Fall endet die studentischen Versicherung mit Ablauf des 14. Semester des Zweitstudiums oder durch die Altersgrenze. Die Abfolge Bachelor-Master wird in der Regel als ein einheitlicher Studiengang gewertet, der Master ist also kein Zweitstudium. Fachrichtungswechsel oder längere berufliche Episoden zwischen Bachelor und Master können dieses geschlossene Bild aber aufbrechen.

Die Altersgrenze von 30 Jahren wirkt auch dann, wenn das 14. Fachsemester noch nicht erreicht ist. Dies betrifft vor allem Studierende auf dem "Zweiten Bildungsweg", die zwar eine Verlängerungsmöglichkeit besitzen, welche aber durch das Bundessozialgericht eng begrenzt wurde.

Gesetzliche Verlängerungsgründe

"9. (...); Studenten nach Abschluß des vierzehnten Fachsemesters oder nach Vollendung des dreißigsten Lebensjahres sind nur versicherungspflichtig, wenn die Art der Ausbildung oder familiäre sowie persönliche Gründe, insbesondere der Erwerb der Zugangsvoraussetzung in einer Ausbildungsstätte des Zweiten Bildungswegs, die Überschreitung der Altersgrenze oder eine längere Fachstudienzeit rechtfertigen,"
(auszugsweise § 5 (1) Nr. 9 SGB V)

Bei der Auslegung dieser eher allgemeinen Begriffe stützen sich die Krankenkassen auf das gemeinsame Rundschreiben vom 21.3.2006 zur "Krankenversicherung der Studenten, Praktikanten, der zur Berufsausbildung Beschäftigten ohne Arbeitsentgelt und der Auszubildenden des Zweiten Bildungswegs" (kurz: Rundschreiben).

Material: pdf Rundschreiben zur Krankenversicherung der Studenten (292 KB)


Verlängerung wegen "Art der Ausbildung"

Aufbaustudiengänge
Aufbaustudiengänge müssen das Erststudium zur Voraussetzung haben und von der Hochschule als solche bescheinigt werden. Normale Studiengänge, die einfach nur an das Erststudium angehängt werden, wirken sich in Bezug auf die Altersgrenze nicht positiv aus.

Promotionsstudium
Das Promotionsstudium wird nicht als Aufbaustudium gewertet, weil es nicht als Teil der wissenschaftlichen Grundausbildung verstanden wird. Es rechtfertigt folglich keine Verlängerung.

Zweiter Bildungsweg
Nur die Zeiten, die in einer Institution des Zweiten Bildungswegs vor Vollendungs des dreißigsten Lebensjahres zugebracht wurden, werden anerkannt und an den 30. Geburtstag angehängt.
Wer beispielsweise mit dem 28. Geburtstag beschließt, einen einjährigen Vorbereitungskurs für die Zulassungsprüfung (Z-Kurs) zu besuchen, kann nur ein Jahr einbringen, was nur für die Aufstockung bis zum 31. Geburtstag reicht.
Das Studium muss in der Regel vor der Vollendung des 30. Lebensjahres begonnen werden.

Verlängerung aus "familiären oder persönlichen Gründen"

In Bezug auf familiäre Gründe werden im Rundschreiben nur kurz die Pflege von kranken oder behinderten Angehörigen als Möglichkeiten erwähnt.

Persönliche Gründe - Rundschreiben, Abschnitt 1.1.3:

"Persönliche Gründe können sein:

a) Erkrankung: Diese ist nur anzuerkennen, wenn sie durchgehend über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten bestanden hat.

b) Behinderung: Hier ist eine Verlängerung der Versicherungspflicht um längstens sieben Semester möglich, sofern es sich um eine nachgewiesene dauernd das Studium beeinträchtigende Behinderung handelt.

c) Geburt eines Kindes und anschließende Betreuung: Hier ist eine Verlängerung der Versicherungspflicht für längstens sechs Semester möglich (...).

d) Nichtzulassung zur gewählten Ausbildung im Auswahlverfahren: (...)

e) Gesetzliche Dienstpflicht und Dienstverpflichtung als Zeitsoldat: Hier wird die Versicherungspflicht um die Dauer der jeweiligen Dienstpflicht verlängert.
Bei einer Dienstverpflichtung als Zeitsoldat von mehr als drei Jahren ist jedoch eine Verlängerung der Krankenversicherungspflicht überhaupt nicht mehr möglich; (...)

f) Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, Entwicklungshelferdienst: (...).

g) Betreuung behinderter Familienangehöriger: Hier ist die Versicherungspflicht für die Zeit anzuerkennen, für die das Studium nicht ausgeübt werden konnte.

h) Mitarbeit in den gesetzlichen Gremien der Hochschule: (...)
Für die Dauer der Verlängerung können die von den Ämtern für Ausbildungsförderung ermittelten Semesterzahlen, die als Studienverzögerung für die Leistungen nach dem BAföG anerkannt werden, herangezogen werden. (...)"

Befreiung von der Versicherungspflicht

Innerhalb der ersten drei Monate des Studiums kann eine Befreiung von der Versicherungspflicht beantragt werden. In der Praxis läuft der Antrag aber meist schon zur Immatrikulation, d.h. vor dem Studium. Diese Befreiung gilt für das gesamte Studium, solange keine Unterbrechung von länger als einem Monat stattfindet. Die Unterbrechung muss ein Zeitraum ohne Immatrikulation sein, beurlaubte Semester zählen nicht als Unterbrechung, nur die Exmatrikulation bewirkt das.

Liegt z.B. zwischen Bachelor und Master eine solche Pause von mehr als einem Monat, so ist die Befreiung für den Bachelor erloschen und zum Master wäre erneut eine Befreiung vorzunehmen, wenn das gewollt ist. Wollen Sie hingegen während des Masters in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein, so wäre bei der erneuten Einschreibung die Aufnahme bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu beantragen.

Sobald Sie ein versicherungsbefreites Studium beenden, führt ein Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung über eine Pflichtversicherung als ArbeitnehmerIn. Nach nur einem Monat krankenversicherungspflichtiger Beschäftigung wäre im Anschluss eine Pflichtversicherung nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 a) SGB V möglich, falls Sie arbeitslos werden.

Der Standpunkt der Krankenkassen zu diesem Thema findet sich insbesondere in Abschnitt 4.3 des Besprechungsergebnis der Spitzensverbände der gesetzlichen Krankenkassen vom 27.6.2012. Im Rundschreiben vom 21.3.2006 wurde das noch anders gesehen, was aber damit überholt ist.

Material: pdf Besprechungsergebnis der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Befreiung von der Versicherungspflicht (83 KB)

Ende des Studiums

Ende des Studiums - Wie sehen die Krankenkassen das?

"(9) Die Mitgliedschaft versicherungspflichtiger Studenten endet einen Monat nach Ablauf des Semesters, für das sie sich zuletzt eingeschrieben oder zurückgemeldet haben."
(§ 190 Abs. 9 SGB V)

Die Spitzenverbände der Krankenversicherungen legen das in ihrem Rundschreiben vom 21.3.2006 so aus:

"Beendet der Student sein Studium, endet die Mitgliedschaft mit Ablauf des letzten Semesters. Wird der Student im Laufe des Semesters exmatrikuliert, endet die Mitgliedschaft nicht sofort, sondern erst mit dem Ende des Semesters."
( pdf Rundschreiben zur Krankenversicherung der Studenten (292 KB) pdf , Kapitel 6.2.1 Abs. 3, S. 58)

In der Praxis kommt es kaum vor, dass Krankenkassen die Regel zur vorzeitigen Exmatrikulation einhalten. Die Kassen wollen dann meist sofort eine teurere freiwillige Versicherung einleiten, statt damit bis zum Ende des Semesters zu warten. Sollten Sie sich in einer Übergangsphase befinden, in der maximal ein Minijob betrieben wird und kein Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt wurde, so scheint ein Hinweis auf das oben zitierte Rundschreiben angebracht, denn der günstige Studententarif endet trotz vorzeitiger Exmatrikulation erst zum Ende des regulären letzten Semesters. Aber Achtung beim Jobben oberhalb der Minijob-Grenze...

Neuer Krankenversicherungsstatus durch Arbeit oder Bezug von Arbeitslosengeld II!

Sollten Sie während der letzten Studienprüfung ein mehr als geringfügiges Beschäftigungsverhältnis unterhalten (mehr als 450 Euro monatlich, Rentenversicherungsabzug erfolgt bereits), dann endet mit der letzten Prüfung der Werkstudentenstatus und der Arbeitgeber muss in der Regel zusätzlich Kranken-/Pflege- und Arbeitslosenversicherung abführen. Sie sind dann über den Job krankenversichert, was die oben genannte Krankenversicherung der Studenten sofort ersetzt, wobei der Immatrikulationsstatus irrelevant ist.

Wer nach einer vorzeitigen Exmatrikulation sofort einen Antrag auf Arbeitslosengeld II stellt, wird durch den Bezug dieser Leistung in der Regel nach § 5 Abs. 2a SBG V in einem neuen Status versicherungspflichtig, der gemäß § 5 Abs. 7 SGB V auch die Krankenversicherung der Studenten verdrängt. Wer allerdings während des Studiums nicht in der gesetzlichen Krankenkasse, sondern in einer privaten bzw. in der Beihilfe versichert war, bleibt seit dem 1.1.2009 in der privaten Versicherung und wechselt bei Arbeitslosengeld II - Bezug nicht automatisch in die gesetzliche Krankenversicherung (Hintergrund).

     
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