Einleitung

Mit der Wohngeldgesetzreform von 2009 wurde die Möglichkeit eingeführt, bei nur darlehensweiser Gewährung von BAföG-Leistungen Wohngeld parallel zu beantragen. Im folgenden Beispiel könnte man die als Vollkredit gezahlten BAföG-Leistungen auch durch einen beliebigen anderen Kredit ersetzen, rechnerisch bliebe es für die Wohngeldermittlung gleich. Allerdings müsste bei anderen Krediten geprüft werden, ob der grundsätzliche Wohngeld-Ausschluss von Studierenden nicht trotzdem greift und deshalb ein Antrag scheitern würde.

Problembeschreibung

Studentin 2 möge in Wilhelmshaven bei einer WG wohnen und 230 € Warmmiete zahlen (180 € Bruttokaltmiete, 15 € Strom, 35 € Heizung). Sie ist über 25 Jahre alt, deshalb nicht mehr famlienversichert und führt 89,69 € (bei einem Zusatzbeitrag von 0,8%) an die gesetzliche Krankenkasse ab.

Ihre Eltern haben nicht viel Geld, so dass keine Anrechnung im Rahmen der BAföG-Ermittlung erfolgt. Allerdings geben sie freiwillig 150 € als Unterhaltszahlung, obwohl das Kindergeld wegen der Altersgrenze eingestellt wurde. Im BAföG-Bescheid wird der Studentin 2 ein Bedarf von 735 € zugestanden (Stand: WiSe 2017/18). Da sie wegen Überschreitens der Förderungshöchstdauer nur noch im Rahmen der Abschlusshilfe (§ 15 Abs. 3a BAföG) Leistungen als verzinstes Volldarlehen erhalten wird und möglichst minimale Verschuldung erzeugen möchte, nimmt sie nur 500 € in Anspruch.

Wohngeldberechnung

Hauptfaktoren für die Wohngeldformel sind Miete und Einkommen:

In der Wohngeldermittlung wird zunächst nur die Bruttokaltmiete - hier 180 € - herangezogen. Es gibt eine Obergrenze, die aber in Wilhelmshaven bei Single-Haushalten 351 € beträgt, selbst wenn man in einer WG wohnt. Somit können die 180 € voll in die Rechnung eingehen.

Im Wohngeldgesetz werden Darlehen nicht als Einkommen behandelt, womit nur noch der Unterhalt eingeht. Von den 150 € werden pauschal 10% abgesetzt, weil Krankenkassenbeiträge anfallen, so dass 135 € als Input für die Wohngeldformel verbleiben.

Ergebnis: 156 € Wohngeld

Insgesamt stehen foglich 150 € Unterhalt + 500 € BAföG als Kredit + 156 € Wohngeld = 806 € zur Verfügung.

Glaubwürdigkeit des Antrags: "Mindesteinkommen"

Wie hier beschrieben lehnen die Wohngeldstellen Anträge ab, wenn zu wenig Einkommen vorliegt, weil unterschlagenes Einkommen unterstellt wird. Für Studentin 2 ergäbe sich folgendes Sozialhilfeniveau plus Studienkosten:

Lebenshaltungskosten

416,00

Regelbedarf für Alleinstehende (Stand: 2018)

89,69

Kosten der Kranken/Pflegeversicherung
(Stand: 1.1.2017)

215,00

Miete (ohne Strom)

55,90

Rückmeldegebühr in WHV (WiSe 2017/18): 335,42 € / 6

776,60

Gesamtbedarf

Das Sozialhilfeniveau wird mit 806 € Gesamteinkommen nicht unterschritten. Der Wohngeldantrag sollte durchgehen.

     
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